Die Geschichte der Baureihe W123
 
   

Ende der 60er Jahre ist bei den Konstrukteuren im Haus Daimler-Benz die Welt noch in Ordnung. Der Vorgänger des W123, die Baureihe 114/115 (landläufig auch "Strichacht" genannt) ist gerade vorgestellt worden und entwickelt sich sofort zum Publikumsliebling. Dennoch beginnt man sofort nach der Präsentation mit der Entwicklung eines neuen "kleinen" Mercedes. Das Lastenheft sieht hier keine radikale Neukonstruktion vor, vielmehr soll das Fahrzeug einfach in allen Punkten verbessert werden. Dabei liegt das Hauptaugenmerk auf der Erhöhung der aktiven und passiven Sicherheit. Auf dem Fahrwerkssektor sind wenig Änderungen erforderlich - hier wurde bereits im "Strichacht" die alte "Eingelenk-Pendelachse" zugunsten einer zeitgemäßen "Diagonal-Pendelachse" aufgegeben. Bei der Benzinmotoren-Entwicklung sieht der Daimler-Benz Vorstand in erster Linie neuartige Rotationskolbenmotoren (Wankelmotoren) sowie alternativ den ausschließlichen Einsatz einer neu zu konstruierenden Sechszylinder-Motorenbaureihe vor. Gelegentlich wird auch über den Einbau eines V8 zumindest in der Coupé-Ausführung nachgedacht.

 
    All diese Planungen werden allerdings durch die Ölkrise Anfang der siebziger Jahre zunichte gemacht, so dass der W123 bei Produktionsbeginn mit gerade einmal einem (mehr oder weniger) neu entwickelten Motor aufwarten kann! Alle anderen Benzin- und Dieselmotoren werden nahezu unverändert vom Vorgänger übernommen. Beim Karosseriedesign orientiert man sich stark am "größeren Bruder", der S-Klasse der Baureihe 116. Was wurde also während der immerhin acht Jahre dauernden Entwicklungszeit überhaupt getan? Ganz einfach: Es gelang, ein Fahrzeug zu konstruieren, welches zwar keine revolutionären Neuerungen vorweisen konnte, das aber zur damaligen Zeit das absolute Maximum an Sicherheit und technischer Perfektion darstellte. In den W123 wurden Sicherheitsfeatures und Bedienungserleichterungen integriert, die z.T. heute noch bei manchem Konkurrenzfahrzeug fehlen.